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Weltgebetstagsfeier unter besonderen weltpolitischen Umständen

Am Abend des 2. März kamen im Saal des Pfarreizentrums Schallen in Möhlin Menschen zusammen, die trotz der bedrückenden Nachrichten aus Palästina und anderen Orten in der Welt die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben wollen. Sie feierten zusammen den Weltgebetstag, der jedes Jahr Anfang März begangen wird und hinter dem eine weltweite Bewegung von Frauen aus verschieden christlichen Traditionen steht. In diesem Jahr stammten Texte und Ablauf (Liturgie) von Frauen aus Palästina. Die Inhalte führten im Vorfeld zu kontroversen Diskussionen auf verschiedenen Ebenen. Es galt die aktuellen Entwicklungen in Palästina und Israel nicht unbeachtet und sich politisch nicht benutzen zu lassen. Mehrere Empfehlungen zur Durchführung wurden teils kurzfristig veröffentlicht. So wurden zum Beispiel ein zusätzliches Fürbittgebet vom Schweizer Komitee des Weltgebetstages und eine Handreichung von der Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) herausgegeben. Das lokale ökumenische Weltgebetstags-Team in Möhlin empfand daher die Vorbereitung so herausfordernd wie selten zuvor. Es gab auch Stimmen von aussen, die die Durchführung ganz in Frage stellten. Doch wenn nicht jetzt für den Frieden beten, wann dann? Das Team entschied sich daher das Gebet für den Frieden ins Zentrum zu stellen. In der Mitte des Raumes stand dann auch ein Strauss aus Olivenzweigen mit Tauben aus weissem Papier. Alle Teilnehmenden sassen im Kreis, sangen, beteten und knüpften ein Friedensband. Zuvor hatten sie Gedanken zum Frieden auf die Bänder geschrieben und der Verbundenheit mit den Leittragenden von Krieg und Gewalt nachgespürt – im Zeichen des Leitspruchs des Weltgebetstages 2024: «durch das Band des Friedens». Eine Taube als Friedenssymbol war es dann auch, die jede und jeder in Form eines Anhängers aus weissem Ton am Schluss mit nach Hause nehmen konnte.

Kristin Gnodtke, 4.3.24

Zum Bild: Das Weltgebetstagsteam Susi Strübin, Kristin Gnodtke, Erika Conus, Käthi Hilpert. Susi Strübin und Erika Conus wurden nach jahrzehntelanger Mitarbeit mit grossem Dank aus dem Team verabschiedet.

Aus der Not eine Tugend machen – oder wie aus dem Fachkräftemangel ein Fasnachtsevent wurde.

Am 4. Februar feierten Pfrn. Nadja Huser und die 1. und 2. Klässler mit ihren Religionslehrerinnen Patricia Godena und Yvonne Moldehn einen bunten Fasnachtsgottesdienst in der reformierten Kirche. Für diesen Anlass wurde bereits im Unterricht fleissig gebastelt und gesungen.

Was macht man, wenn zu Beginn eines Schuljahres zu wenig ausgebildete Katechet:innen vorhanden sind, um bis in die untersten Schuljahrgänge regelmässigen Religionsunterricht anbieten zu können? Das reformierte Team musste sich im Frühling 2023 mit dieser Problematik befassen und entschied schweren Herzens, die 1. und 2. Klassen nur noch einmal statt zweimal monatlich zu unterrichten. Dafür wurden aber im Rahmen der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit verschiedene Events zum Mitmachen angeboten. Da lag es in einem „Fasnachts-verrücktem“ Dorf wie Möhlin nahe, etwas zum Thema Fasnacht zu organisieren. So kam es, dass zum ersten Mal in Möhlin auch ein Reformierter Fasnachts-Familiengottesdienst stattfand. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen bastelten die Kinder im Unterricht farbenfrohe Masken und übten Lieder für den Gottesdienst ein. Nebst der farbenfrohen Verkleidung wurde in Texten, Schnitzelbängg und Kurzpredigt von den Träumen, was man gerne sein würde, gesprochen. Fazit war mit den Worten aus Psalm 139,14: „Gott liebt dich genauso wie du bist – ungeschminkt und unverkleidet“. Der fröhliche Kindergesang füllte die Kirche und auch die Musik von Nicola und Chiara Cumer am Flügel und dem Cello war fastnächtlich fröhlich.

Im Anschluss an den Gottesdienst füllte sich auch der Gemeindesaal für einen bunten Chilekaffe bei Getränken und Fasnachtschüechli. Und mit einem „Augenzwinkern“ darf festgestellt werden, dass die Möhliner Reformierten sich an die gesamtschweizerische Tradition hielten und ihren Reformierten Fasnachtsgottesdienst eine Woche später feierten als den traditionell sehr beliebten Fasnachtsgottesdienst in der christkatholischen Kirche.

Andrea Giger, 5.2.24

unser neues Sigristinnenteam  (v.l. Angi Meiller, Patricia Ghilardi, Antonia Kopylenko) kam natürlich auch verkleidet.

v.l. Yvonne Moldehn, Pfrn. Nadja Huser, Patricia Godena

Wenn Jesus nach Möhlin käme …

In der Kulturreihe „FreiTagsZeit“ der beiden reformierten Kirchgemeinden Möhlin und Wegenstettertal spielte am Freitag die Formation „THEATERplus“ das Stück „Wer ist Er?“. Die Aufführung stiess auf grosses Interesse. Das seit 20 Jahren aktive Laientheater greift Sequenzen aus dem Alten und Neuen Testament auf und stellt sie in einen Kontext des 21. Jahrhunderts. Sie trat mit sieben Laienschauspielerinnen und -schauspieler auf Einladung der „FreiTagsZeit“ im reformierten Kirchgemeindehaus Möhlin auf. Die Gruppe formierte als Zweig von „Perspektive Leben“, die nach der Auflösung der landesweiten Organisation „Mut zur Gemeinde“, Nachfolgeprojekte aufgleiste. Sie vermitteln auf ihre Weise den Kirchgemeinden Impulse für das Gemeindeleben.

Die Gruppe, die in Möhlin auftragt, beeindruckte schon mal mit ihren Kulissen und der Bühneneinrichtung inklusive Verstärkeranlage, die sie mitgebracht hatte. In ihrer Aufführung verknüpfte sie zwei neutestamentliche Erzählungen, in denen sich Jesus auf überraschende Art Menschen offenbarte, die das keineswegs erwartet hatten: Dem Zöllner Zachäus, aktualisiert als Unternehmer im noblen Anzug, der seine Kunden mit Wucherpreisen abzockt und seine Mitarbeitenden verängstigt und an der kurzen Leine hält. Ausgerechnet von diesem asozialen Abzocker lässt sich Jesus gemäss den Evangelienberichten einladen und löst damit eine radikale Umkehr der Lebenshaltung des smarten aber skrupellosen Abzockers aus. Mit der Folge, dass dieser eine radikale Lebenswende vollzieht und sich an die Wiedergutmachung seiner früheren Wucherei macht. Der Auftritt von Jesus wurde dabei auf Möhlin verlegt. Durchgeschüttelt wird auch das Leben einer samaritanischen Frau, die sich Wasser an einem Brunnen ausserhalb des Dorfes holen will und dabei auf den „Propheten“ Jesus stösst. Er spricht sie auf ihr turbulentes Leben mit zahlreichen gescheiterten Beziehungen an, outet sich und löst in ihr ein inneres Erdbeben aus mit der Gewissheit, dass sie dem Messias begegnet ist.

Im Anschluss an die Aufführungen beantworteten die Mitglieder der Laiengruppe Fragen von Moderatorin und Organisatorin Barbara Maass und aus dem Publikum zu ihrer persönlichen Motivation und der Entstehung ihrer Theaterstücke. Die Freude daran, mit diesem Medium Inhalte zu vermitteln, die auch ihr persönliches Leben beeinflussen, war bei allen spürbar. Die bislang fünf Theaterproduktionen stammen aus der Feder von Ensemble-Mitgliedern, wie in der Fragerunde bekannt wurde.

Mit einem Apéro und angeregten Gesprächen endete der gelungene Kulturabend der beiden Kirchgemeinden. (im.)

Bilder und Text: Fritz Imhof, 28.1.24

5352: Zachäus und seine Mitarbeitenden erwarten den Einzug von Jesus

5362: Sequenz aus dem Spiel „Wer ist Er?“

5364: Die Laienspielgruppe THEATERplus schreibt ihre Stücke selbst und führt sie gemeinsam auf.

 

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